Draußen übernachten bei Minustemperaturen – der Kälte trotzen

Draußen-übernachten-bei-Minustemperaturen-Zelt-vor-verschneiter-Landschaft-Wolfgangs

Wer einmal in die Natur aufgebrochen ist, um beispielsweise während eines Hiking- oder Bushcrafting-Trips mehrere Tage draußen zu übernachten, der wird mit der Zeit eventuell schon mal selbst in eine Situation gekommen sein, in der die Kälte einen ziemlich überrascht hat. Zwar hat man seine Outdoor-Tour mit dem Glauben der perfekten Vorbereitung gestartet, jedoch liegt man nun dennoch fröstelnd in seiner Schlafstätte und hofft einfach nur darauf, dass die Nacht schnell umgeht. In solchen Momenten spürt man, dass die Kälte eine unglaublich bedrohliche Strahlkraft haben kann und man fragt sich, was bei der Vorbereitung auf den Ausflug bloß schiefgelaufen ist? Wie konnte man bei der Ausrüstungs-Zusammenstellung bloß so falsch liegen? Man wurde wortwörtlich eiskalt von der Temperatur erwischt.

Das positive in der Kälte sehen

Übernachtungen bei Minustemperaturen sind mit der richtigen Vorbereitung sehr schöne und gleichzeitig intensive, einprägsame und erfüllende Erfahrungen, die man dementsprechend noch sehr lange Zeit in seinem Gedächtnis bewahren wird. Nicht die temperaturgeschuldeten Umstände machen die Nacht ungemütlich, sondern lediglich eine mangelnde Vorbereitung und Herangehensweise.

Dabei ist das Übernachten in der Kälte keineswegs ein Hexenwerk, welches nur Profis bewerkstelligen können. Beachtet man einige grundlegende Tipps, kann man sich auf eine tolle und abenteuerliche Winterübernachtung freuen und die kühle und frische Luft gibt es gratis on top!

Windgeschützt schläft es sich besser

Der Wind kann mit Hinblick auf eine Übernachtung bei Minustemperaturen von sehr tückischer Natur sein, da er, zumindest gefühlt, eine Situation um ein vielfaches unangenehmer gestalten kann. Erträgliche 0 Grad können sich bei sehr starken Windverhältnissen auch schnell mal so anfühlen, als ob es sich um -10 Grad oder sogar noch tiefere Temperaturen handelt. Diese Tatsache sollte im Vorfeld einer Tour unbedingt im Hinterkopf bewahrt werden, damit man dementsprechend nicht überrascht wird.

Ein windgeschütztes Camp ist somit in der Kälte unabdingbar. Es kann durchaus empfehlenswert sein, dass man den Schnee für seine Zwecke missbraucht und daraus eine schützende Wand aufschüttet. Hat man dann noch zusätzliches Equipment wie ein Tarp oder eine Plane dabei, kann man durch das Aufspannen erstklassig für einen zusätzlichen Windschutz sorgen.

Selbst wenn man in einem Zelt übernachtet, kann man die zuvor erwähnten Windschutzvorrichtungen zusätzlich nutzen, um die Windbeständigkeit in die Höhe zu treiben. Überzelte können mit Schnee am Boden beschwert werden, damit kein Wind unter das Zelt gelangen kann. Auf diese Weise kann man sich einer windgeschützten Übernachtung sicher sein und einen ordentlichen Schritt in Richtung angenehme Nacht in die Wege leiten.

Draußen-übernachten-bei-Minustemperaturen-Wanderer-vor-Abhang-Wolfgangs

Die Passgenauigkeit beim Schlafsack

Die Wahl des passenden Schlafsacks ist für eine Outdoor-Übernachtung unglaublich wichtig. In einem unserer zurückliegenden Beiträge zur besten Bushcraft-Ausrüstung für Anfänger haben wir dieses wichtige Thema bereits angeschnitten. Nur ein hochqualitativer und passgenauer Schlafsack, der zudem perfekt zum angestrebten Reiseziel passt, kann gewährleisten, dass du während der Nacht ausreichend Wärme erhältst.

Die Länge des Schlafsacks sollte in etwa deiner Körpergröße entsprechen, damit keine Kältebrücken entstehen. Die Veranschaulichung ist dabei ganz einfach. Je mehr Luft innerhalb des Schlafsacks vorhanden ist, desto mehr muss der Körper auch arbeiten, um diese unnötige zusätzliche Luft zu erwärmen. Eine passgenaue Auswahl sollte somit oberstes Gebot sein.

Bedenke beim Testen deines potenziellen Schlafsacks, dass eine zu enge Machart auch nicht gut ist. Du solltest immer so viel Platz haben, dass du dich komplikationsfrei bewegen kannst. Auch ein wenig Platz für Schuhe, Trinkflaschen, Wasserfilter und Co. sollte übrig sein, da viele Ausrüstungsgegenstände bei Kälte dazu neigen kaputt zu gehen bzw. zu vereisen. Durch eine warme Aufbewahrung im Schlafsack wird dies verhindert.

Die Füllung des Schlafsacks

Kunstfaser oder Daune? Hier muss bei der Beantwortung der Frage zwischen den Zeilen gelesen werden, denn einzig und allein der Einsatzzweck kann Aufschluss darüber geben, welche Füllung geeignet für dich ist.

Die Kunstfaserfüllung ist verglichen mit der Daunenfüllung deutlich schwerer und weist ein größeres Packmaß auf. Man erhält jedoch eine hohe Wärmeleistung, die auch bei feuchten Einflüssen aufrechtgehalten werden kann. Spielt Wasser, Feuchtigkeit und Schnee eine große Rolle auf deiner Reise? Hast du keine Zeit deinen Nassen Schlafsack am nächsten Tag ausgiebig trocknen zu lassen? Die Kunstfaser könnte definitiv der richtige Weg für dich sein!

Die Daunenfüllung hingegen ist in punkto Leichtigkeit und Packmaß nicht zu schlagen. Viele Schlafsäcke passen eingepackt problemlos auf eine Handfläche und wärmen dennoch bei Minustemperaturen unnachahmlich gut. Bei extremen Minustemperaturen ist außerdem nur die Daune dazu in der Lage ausreichend zu schützen. Doch Vorsicht bei Feuchtigkeit – ist die Daune einmal nass, kann keine Wärmeleistung mehr garantiert werden. Zudem muss der Schlafsack danach eine lange Zeit getrocknet werden, damit kein Schimmel entsteht.

Versuche dir im Vorfeld über deine Reisebedingungen im Klaren zu sein und entscheide dann, welche Füllung passend für dich ist. Achte im Geschäft auch stets auf die angegebenen Komfortbereiche. Diese zeigen dir, für welche Temperaturbereiche die jeweiligen Schlafsack-Modelle gemacht worden sind.

Mit einem dünnen und leichten Inlett-Schlafsack kann man seinen eigentlichen Schlafsack außerdem ausgezeichnet upgraden und so für zusätzliche Wärme sorgen.

Die Isomatte - Schutz vor Bodenkälte

Egal wie toll und hochpreisig der gewählte Schlafsack auch am Ende sein mag, er wird definitiv immer nur so gute Arbeit vollbringen, wie die Isolierung zum Boden hin es gerade zulässt. Ein enorm wichtiger Tipp – Augen auf beim Isomatten-Kauf!

Entscheidend ist hier vor allem der R-Wert, der oftmals im Geschäft auch als R-Value zu erkennen ist. Er regelt, wie widerstandsfähig die Isomatte gegenüber der Bodenkälte ist. Je höher der R-Wert, desto mehr kann die Matte sich gegenüber der Bodenkälte behaupten. Wer hier zu tief ansetzt oder das Thema auf die leichte Schulter nimmt, der wird während der Übernachtung bei Minustemperaturen bestraft werden.

Nicht schick, aber warm - der Zwiebel-Look

Zu guter Letzt gibt es einen alten Tipp mit auf den Weg, der es aber nach wie vor in sich hat – der Zwiebel-Look sorgt für eine tolle Wärmeleistung!

Ziehe in einer kalten Nacht viele Lagen übereinander an, um auf diese Weise sicherzustellen, dass viele Luftschichten unter den Kleidungsstücken entstehen, die dich wiederum perfekt zu wärmen wissen. Achte zudem auf lange Kleidungsstücke. Skiunterwäsche eignet sich ausgezeichnet, aber auch Wanderunterwäsche aus Merino kann dich gut wärmen.

Draußen-übernachten-bei-Minustemperaturen-Zelt-vor-verschneiter-Berglandschaft-Wolfgangs